„Und was stört dich an deinem Aussehen?“

Wochenende, ich sitze mit Freundinnen in der Kneipe. Ich entziehe mich dem Gespräch, schaue mich um. Ein paar Jungs spielen Dart, ein verliebtes Pärchen füßelt unter dem Tisch und denkt, es würde niemand merken, ein älterer Mann sitzt alleine an der Theke und nippt gedankenverloren an seinem Wein, als ich aus meiner Träumerei gerissen werde „Und Vanessa, was stört dich an deinem Körper?“
Erschrocken blicke ich auf. Erwartungsvolle Blicke starren mich an.
Einer gefühlten Ewigkeit hatte ich diesen wunderschönen Mädchen bei ihren Gesprächen über Problemzonen zugehört, ehe mein Blick und meine Gedanken abschweiften.
„Wie bitte?“ Ich will Zeit schinden, greife nach meinem Bier. Worüber hatten sich die anderen noch mal beschwert? Ihren hohen Haaransatz? Ihr halbes Gramm Übergewicht? Jetzt konzentrier dich, du wirst immer noch angestarrt.

„Na, Problemzonen – oder hast du keine?“ Ich hab das Gefühl, als würde mein Gehirn aussetzen, finde keine passende Antwort. „Muss mich denn was stören?“ Ich werde fassungslos gemustert, fühle mich wie im Film, höre keine Hintergrundgeräusche mehr, nur ein Räuspern. Eine zuckende Augenbraue und gekräuselte Lippen sind alles was ich sehe. „Willst du damit sagen, dass dich nichts an deinem Aussehen stört?“ Mich verlässt meine Selbstsicherheit, ich will die Situation retten. „Also eigentlich. Mein ich. Also..“ ich stottere vor mich hin, werde schwach. „Ich hätte gerne eine reinere Haut oder würde vielleicht ein bisschen abnehmen wollen. Aber am Besten ohne dafür Sport zu machen.“ Ich lache verzweifelt. Die Stimmung kippt wieder. „Ja genau und Essen ohne zuzunehmen, das wär’s doch“, kichert eine Freundin vor sich hin. Eine andere fängt an über ihren Sportkurs zu reden. Ok, Themenwechsel also.
Ich blicke in die Runde, durch und durch schöne Mädchen. Würden sie nicht selber an ihren kleinen „Makeln“ rummeckern, würden sie keinem auffallen. In mir staut sich Wut auf. „Warum seid ihr nur so unzufrieden mit eurem Körper?“ Doch ich traue mich nicht, es auszusprechen. Ständig wird von Toleranz und Respekt gegenüber anderen gesprochen, aber der für den eigenen Körper bleibt aus?
Wieder Zuhause lässt mir das Thema noch immer keine Ruhe. Ich zweifel an meinem Selbstbild. Habe ich die falsche Einstellung, wenn ich mir eine halbe Stunde lang Mühe gebe, um meine Haare in Form zu bringen oder eine Ewigkeit für ein Smokey-Eyes brauche und ich danach zufrieden in den Spiegel schaue? Erwarten die gesellschaftlichen Konventionen, dass ich trotzdem dann einen Fehler an mir suche und darauf herumreite, um nicht eingebildet oder selbstverliebt zu wirken? Ich werde unsicher. Stehe ich am Ende alleine mit dieser Meinung da? Nicht, dass es das erste Mal wäre oder ich mit so etwas schlecht zurecht komme, aber ich verstehe es dieses Mal nicht.
Klar, bin ich auch nicht immer mit meinem Aussehen zufrieden. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue und meine angeschwollenen Augen und gerötete Haut das gesamte Bild zu dominieren scheinen, bin ich auch genervt. Aber dann fange ich mit meiner Prozedur an. Ich bin nicht unzufrieden mit meinem ungeschminkten Ich. Doch wenn es schon so fabelhafte Produkte wie Concealer oder Mascara gibt, warum diese dann nicht auch nutzen und das Beste aus sich herausholen? Dafür ist Make-Up doch da. Es gibt Zuversicht, wenn grade mal keine da ist. Baut Unsicherheiten ab und kaschiert „Makel“. Make-Up hat mir oft geholfen, mich wohler in meiner Haut und schön zu fühlen. Es hat sozusagen Aufbauarbeit geleistet. Schönheit bedeutet für mich, sich wohl in seiner Haut zu fühlen. Doch musste ich auch lernen, mich immer noch schön zu fühlen, wenn ich mich abends abschminke. Ich habe gelernt, mich mit meinen vergrößerten Poren, Muttermalen oder Rötungen zu arrangieren und sie als Teil von mir anzuerkennen. Wie soll dich jemand anderes schön finden, wenn du es selbst nicht tust? Jeder hat schlechte Tage, an denen einem etwas an seinem Aussehen stört, aber sie sollten doch nicht das Leben beherrschen. Wir sollten alle lernen, unsere Schönheit anzuerkennen und aufhören, ständig an uns herumzumeckern und uns gegenseitig anzusticheln. Man ist nicht Selbstverliebt, eitel oder arrogant, wenn man mit sich zufrieden ist. Man ist einfach nur zufrieden. Und was kann daran falsch oder verwerflich sein?
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3 Comment

  1. Toller Post!

    1. Danke, freut mich dass er dir gefällt 🙂 xo

  2. Regina says: Antworten

    Genauso sieht es aus! Es ist ok, sich selbst zu mögen und sich in der eigenen Haut wohlzufühlen! Hast du schön geschrieben! 🙂

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