ROM. Ewige Stadt, ewiger Sehnsuchtsort.

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Im Mai packte mich das Fernweh. Ich brauchte etwas Abstand, wollte die Dinge etwas ruhiger angehen lassen und mal wieder ein anderes Lebensgefühl verspüren.
Ich brauchte neue Eindrücke, eine neue Umgebung, es fehlte mir an Inspiration und neuer Motivation. Ich musste einfach mal rauskommen. Also entschloss ich kurzerhand mir ein paar Tage Urlaub zu gönnen.
Mir steht die ganze Welt offen, ich durchstöberte ein paar Reiseportale, doch eigentlich wusste ich schon die ganze Zeit wohin ich wollte.
Vor zwei Jahren reisten meine gute Freundin Dorothee und ich durch Italien, sechs verschiedene Städte waren dabei. Nach Pisa und unserem Aufenthalt am nicht weit davon entfernten Meer, fuhren mit dem Zug nach Rom.
Schon beim Ausstieg hatte ich dieses Gefühl. Ich fühlte mich angekommen. Willkommen.
In keiner Stadt hatte ich mich so gefühlt wie dort. Es stimmte einfach alles – die Atmosphäre, die Architektur, die Geschichte der Stadt. Das Licht. Das immer bunte, aber nie hektische Treiben in den Straßen und auf den Piazzen. Das Lebensgefühl.
Wir besuchten die wichtigsten Attraktionen der Stadt: Kolloseum, Forum Romanum, Trevi-Brunnen, den Petersdom.
Ohne Frage alles Orte die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, vor allem nicht bei seinem ersten Besuch.
Nach drei viel zu kurzen Tagen stiegen wir wehmütig in den Flieger.
Seither verspürte ich den Drang zurückzukehren.

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Nun, zwei Jahre später, stand ich in Berlin am Flughafen, alleine, voller Vorfreude.
In den Tagen zuvor hatte ich mir ein paar Insidertipps rausgesucht, Vlogs angeschaut und vorsichtshalber meinen alten Reiseführer wieder rausgekramt.
Doch ich beschloss die Reise einfach auf mich zukommen zu lassen. Die vier Tage würde ich auch schon so rumkriegen.
Ich wollte die Stadt schließlich abseits der Touristenattraktionen entdecken – ich wollte leben wie ein Römer, wenn auch nur für vier Tage.

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Angekommen, fuhr ich vom Flughafen mit dem Shuttle zum Bahnhof und stieg dort in einen der Stadtlinienbusse, die in das Stadtviertel fuhren, in dem mein B&B war.
Der Bus war randvoll gefüllt mit Einheimischen, es war laut, die Menschen unterhielten sich und  gestikulierten wie wild – das eigentlich nicht mal mehr Platz für eine ausschweifende Handbewegung war, interessierte niemanden. Hier gab es keine Distanz, weder räumlich noch sozial, man sprach miteinander, ob man sich kannte oder nicht. Auch ich wurde in ein Gespräch verwickelt, ich würde auffallen mit meinem Rucksack, ob ich denn Touristin sei. Ich habe Glück, dieses Stadtviertel sei wunderschön, ich würde mich hier bestimmt wohlfühlen.
Ich stieg in Trastevere aus. Dass es hier wunderschön ist, wusste ich bereits. Dieses Viertel war einer der Hauptgründe, warum ich zurückgekehrt war. Ein Künstler- und Studentenviertel wie es im Buche steht. Am Abend kamen die die Touristen zum Essen, ein Restaurant reiht sich hier an das nächste, doch die Einheimischen haben hier noch immer die Überhand.

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Vor zwei Jahren ging ich schon einmal über diese Brücke, sah diesen Brunnen schon ein paar Mal und erkannte das ein oder andere Restaurant wieder.
Mein B&B lag in einer ruhigen Seitengasse, ein kleine Unterkunft, zwischen den römischen Wohnhäusern. Die perfekte Ausgangslage. Fünf Minuten zum Piazza Di Santa Maria, eine viertel Stunde zum Vatikanstaat.
Zu Fuß natürlich, so wie ich alles in den nächsten Tagen erreichen würde.

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Ich werde euch nun nicht etappenweise von jedem einzelnen Tag erzählen, denn im Grunde tat ich immer das selbe.
Ich ging mit meiner Kamera in der Hand durch die Straßen, Gassen und Parks, über Brücken und Piazzen, entlang der architektonischen Glanzleistungen des alten und neuen Roms.
Am Piazza Navona beobachtete ich stundenlang das bunte Treiben der Touristen und der Schickeria Roms, ich flanierte über den Wochenmarkt des Piazza Campo de‘ Fiori, ging entlang der großen Attraktionen der Stadt und belächelte die langen Warteschlangen.
Ich ließ mich treiben, machte Pause wo es schön war und schenkte meinem Stadtplan keine größere Beachtung, früher oder später führte mich mein Weg eh an bekannten Plätzen entlang und ich konnte mich wieder neu orientieren. Ich entdeckte wunderschöne Häuser, kleine Gärten, Parks und Cafés, abseits des Touristentrubels. Und hier und da entdeckte ich ein gemütliches Restaurant, das mir zusagte.

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Denn wann immer ich Hunger hatte, aß ich etwas. Und wenn nicht, dann auch. Vor allem Eis.
Am Abend aß am liebsten in Gesellschaft. Am Abend kam ich immer wieder zurück nach Trastevere, ich blieb meinem Viertel treu. Hier gibt es die wahre italienische Pasta a la Mamma, knusprige Pizzen aus dem Steinofen und hausgemachtes Eis – und das alles zu fairen Preisen. Essen hier doch hauptsächlich noch die Einheimischen.
Schon am ersten Abend lernte ich unglaublich viele nette Menschen kennen, wir aßen und tranken, lachten und ließen unseren Abend auf dem Piazza Di Santa Maria ausklingen. Ähnlich verlief es auch am nächsten Abend und an dem darauf. Ich lernte Touristen kennen, Einheimische, Europäer und Weltenbummler, Studenten und Aushilfskellner, junge und ältere Menschen.
Ich war immer wieder überrascht, wie einfach man als Alleinreisende neue Kontakte knüpfen konnte.

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So auch am dritten Tag meiner Reise im Borghese Park. Eine sehr offene, freundliche Frau sprach mich auf einer Parkbank am Pavillon an. Wir kamen ins Gespräch. Sie kannte sich erstaunlich gut aus und konnte ein paar historische Fakten zum Besten geben. Nicht weit sei ein barocker Springbrunnen aus, ehe wir uns versahen, hatten wir nicht nur den Brunnen, sondern auch etliche Denkmäler, Statuen und Bauwerke abgelaufen, die im Park verteilt waren.

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Der Borghese Park ist mit Abstand mein liebsten Platz in Rom. Stundenlang kann man hier verweilen, Spazieren gehen oder Fahrrad fahren. Vom dem Balkon des Parks, einer Aussichtsplattform über dem Piazza Popolo, kann man die Stadt bis hin zum Petersdom überblicken.

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Nicht weit entfernt ist die spanische Treppe, zum Zeitpunkt meiner Reise in einer Renovierungsphase, doch saß ich zum Glück vor zwei Jahren auf den berühmten Stufen. Hier spielt sich das Leben ab. Touristen sitzen neben Einheimischen, arm neben reich, Straßenkünstler konkurrieren mit Blumenverkäufern.

Ähnliche Szenarien am Trevibrunnen, an dem vor allem am Abend eine ganz besondere Stimmung herrscht. Doch wer das „wahre“ Rom am Abend erleben will, setzt sich zu den Einheimischen auf den Piazzen oder in die Bars in Trastevere oder in weniger touristische, aber aufstrebende Viertel wie Monti.

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Letztendlich muss aber jeder auf seiner Reise wissen, was er erleben möchte.
Ob Seightseeing, Kultur, Shopping oder einfach mal relaxen.
Ich habe bemerkt, wie gut es mir tut, mich einfach treiben zu lassen, ohne festes Ziel vor Augen, sich in Gassen zu verirren und an den schönsten Stellen wieder rauszukommen, Kleinigkeiten wie ein Fenster voller alter Puppen größte Beachtung zu schenken und den Charme der italienischen Straßen einfach auf mich wirken zu lassen. Auf Parkbänken zu lesen, mit einem Eis in der Hand Menschen zu beobachten und neben barocken Brunnen Löcher in die Luft zu starren.

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Dinge, die man liebt, an Orten zu tun, die man liebt.
Dreimal am Tag am selben Denkmal vorbeigehen und jedes Mal wieder stehen zu bleiben.
Draußen zu sein und am Leben teilhaben.Nicht nur dabei, sondern mittendrin.
In der Stadt leben, auch wenn es nur für vier Tage ist.

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